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Investor will Biocompany verdrängen

Ehemalige Reithalle - heute Bio Company

Berliner sollen künftig auf Supermarkt-Dächern wohnen, so lauteten einige Schlagzeilen des letzten Sommers. Bausenatorin Lompscher will sogar jährlich einen Supermarkt-Gipfel einberufen, um die Bebauung von Supermärkten und die Verdichtung der Stadt mit Wohnungen voran zu treiben.

Für ein Kölner Ehepaar erschien daher wohl die Gelegenheit günstig, um einen Standort eines Supermarktes in der Charlottenburger Neufertstraße von Alteigentümern zu erwerben.

Doch die private Investition im Wohnquartier am Klausener Platz dürfte sich als Fehlschlag erweisen, denn hier triff man auf die im Kiez beliebte Bio Company und eine denkmalwürdige Geschichte.

Die Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Reithalle für das Königin-Elisabeth-Garderegiment in der heutigen Neufertstraße hat eine lange Baugeschichte und ist fester Bestandteil des Kiezlebens.

Nach dem Ersten Weltkrieg bis 1932 diente der Hallenbau der St- Kamillus-Kirchengemeinde als Notkirche. Später nutzte das Mali-Kino die Räumlichkeiten bis 1968, bis 1970 die Handelskette Aldi-Nord einzog. Nach Bereinigung des Filialnetzes gab Aldi den Standort ab. 2013 sah hier die Bio Company eine Chance, und baute das sanierungbedürfige Gebäude für ihre Zwecke um. Die seit Oktober 2013 bestehende Filiale von Bio Company entwickelte sich zum beliebten Kiezmittelpunkt.

Das Kiezbündnis Klausenerplatz hat eine Publikation über die Geschichte des Gebäudes veröffentlicht, die für 1 € erhältlich ist:

Marpe, Harald: Reithalle, Notkirche, Kiezkino, Discounter, Biomarkt. Die wechselvolle Geschichte des Gebäudes Neufertstraße 19 – 21, Reihe “Kiez-Geschichten. Heft 5” hg. vom Kiezbündnis Klausenerplatz e.V., 22 S. .

Die aufgekommenen Gerüchte um einen geplanten Rückbau der Reithalle wurden auf der letzten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung am 7. März zerstreut. Alle zuständigen Bezirkspolitiker wenden sich gegen den Abriß. Lucas Trenciansky, Leiter der Immobilienabteilung bei Bio Company will auf keinen Fall weichen, denn auf dieses Projekt ist man in dem Unternehmen besonders stolz: „Es war es uns ein Herzensanliegen, nicht nur ein Stück Berliner Geschichte wiederherzustellen, sondern dem Gebäude innerhalb des historischen gewachsenen Kiezes wieder ein Gesicht zu geben.“

Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Bündnis 90/Grüne) dementierte auch Gerüchte, wonach die Denkmalbehörde mit einem Rückbau einverstanden sein soll.

Planungsrechtlich hat der Investor aus Köln noch das Recht auf seiner Seite. Doch die BVV will nun dem Rat des Denkmalbeirats folgen und die ehemalige Reithalle als Einzeldenkmal schützen. Der Stadtentwicklungsausschuss folgte diesem Vorschlag einstimmig – und so hat nun das Landesdenkmalamt das letzte Wort.

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