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Schwanenmord und Coronaparties am Hubertussee

Hubertussee in Grunewald

Die Ruhe und Beschaulicheit am Hubertussee in der Villenkolonie Grunewald ist seit dem 26. Februar 2020 empfindlich gestört. Ein besonders grausamer „Schwanenmord“ hat AnwohnerInnen aufgestört. Ein am Nordufer nistender Schwan wurde brutal getötet. Der Hals zerstückelt, der blutverschmierter Korpus wurde am Ufer abgelegt und von Spaziergängern aufgefunden. Der einsamer Partner des schon mehrjährig standorttreuen Höckerschwan-Paares sucht seitdem verstört nach seiner Lebenspartnerin. Es ist für das Tier eine Katastrophe, denn Höckerschwäne erreichen oft ein Alter von 16 bis zu 20 Jahren und binden sich lebenslang.

Ein weißer Zettel wurde von einer tief betroffenen Anwohnerin an einem Baum nahe des Tatorts und Ablageorts befestigt: „Hier wurde der Schwan (Partner Brutstätte) ermordet aufgefunden! Wir trauern um ihn!“

Hubertussee
Hubertussee: Tatort des „Schwanenmords“ am Nordufer – Foto: szz

Der langgestreckte rund 25.000 m² große Hubertussee ist von einer geschützten Grünanlage umgeben, derem Uferwege als Grunewaldwanderwege in Karten verzeichnet sind. Am Hubertussee ist dieser Wanderweg auf der gesamten Länge des Südufers mit rund 730 Metern fertiggestellt. Am Nordufer endet der Wanderweg nach rund 300 Metern und geht nördlich zur Herthastraße.

Die naturnahen Uferbereiche des Hubertusssees wurden vom Umwelt- und Naturschutzamt aufgeräumt, Sträucher wurden zurückgeschnitten. Noch ohne neuen Austrieb laden die kahlen Uferstellen zum Entenfüttern ein. Kitagruppen und Spaziergänger machen davon ausgiebig Gebrauch, und zertreten dabei erste zarte Triebe der neu aufkommenden Ufervegetation.

Kitaschließungen, Schulschließungen und Ferien sorgen für offenbar mehr große und kleine BesucherInnen und für mehr Belastungen am Hubertussee. In dem geschützten naturnahen Grünbereich fehlen Hinweisschilder und Schautafeln, die Naturschutzauflagen zum Schutz von Ufervegetation und zu den Wasservögeln, die am Nordufer ihre Brutzeit beginnen.

In den letzten Tagen wurden auch „Corona-Parties“ am Hubertussee gefeiert. Flaschen und Müll kündeten noch gestern von dem Treiben. Anwohnerin Frau B., der Name bleibt auf Wunsch anonym, beschwerte sich: „Es wird keine Rücksicht genommen!“. Laut ihrer Aussage treffen sich auch regelmäßig Jugendliche am Ufer, und tauschen offenbar kleine Päckchen gegen Bargeld. Ob es Rauschmittel sind, kann nur vermutet werden. Anonym aufgenommene Fotos deuten darauf hin, werden hier aber nicht veröffentlicht.

Auch zwei Tretboote wurden auf dem Hubertussee gesichtet, wie sie Wasservögel aufgescheucht haben. Offensichtlich werden Naturschutzauflagen mißachtet.

Der Hubertussee rückt nun auch in den Blick der Polizei, die generell wegen der Qurarantäneauflagen verstärkte Kontrollen im gesamten Stadtgebiet durchführt. Ein Telefonat mit dem zuständigen Polizeiabschnitt 22 förderte auch eine wichtige Erkenntnis zutage: „Man geht auch Beschwerden nach, es muß nicht immer gleich eine Anzeige sein!“. Die Bitte der Präventionsbeauftragten: Bitte richten Sie Ihre Meldung an den zuständigen Polizeiabschnitt 22, oder geben Sie Ihre Meldung über die Internetwache weiter.

Das zuständige Naturschutz- und Umweltamt in Charlottenburg-Wilmersdorf hat leider bis zum 19.April keinen direkten Ansprechpartner. Der Brutvogelschutz und der Naturschutz können deshalb nur per Mail oder über die Lokal-Presse angemahnt werden. Für Schwäne gibt es bis dahin weiter Stress bei der Suche nach einem Nistplatz am Ufer. Der einsame Schwan muss dazu sein altes Revier gegen ein neues Schwanen-Paar verteidigen, und wird wohl den Kürzeren ziehen.

Höckerschwäne auf dem Hubertussee
Höckerschwäne auf dem Hubertussee bei der Nistplatzsuche – Foto: privat

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