Von Michael Springer
Der Freistaat Bayern hat vor 29 Jahren das Projekt „Musikantenfreundliches Wirtshaus“ ins Leben gerufen. Weit über 500 bayerische Wirtshäuser haben seither die Auszeichnung erhalten. — In diesem Jahr sind weitere 26 Wirtinnen und Wirte aus ganz Bayern dazugekommen!
Die Pankower Allgemeine Zeitung berichtete darüber am 20. November 2025.
Angesichts der schwierigen Lage der Musikschulen in Berlin, lohnt auch der Blick nach Bayern. Hier gibt es sehr viel mehr Kulturpflege und eine große Unterstützung durch die Politik. Der wichtigste Standortfaktor ist im Freistaat die gebündelte Zuständigkeit von Finanz- und Heimatministerium. Und ein Minister Füracker, der die Seele des Landes und die Kultur pflegt — statt kürzt!.
Während in Berlin teuer finanzierte „Musikräte“ und „Musikagenturen“ die Musik-Landschaft ideell, gewerkschaftlich und musikpolitiscch bewirtschaften, geht die Zahl der Zuschauer und öffentlich angekündigten Konzerte und Kirchenkonzerte zurück. Die zunehmende Digitalisierung lässt immer mehr „eingeladene Öffentlichkeiten“ entstehen — kleinere Szenerien, exklusiveres Publikum.
Angesichts von Demografie und interkultureller Bevölkerungsentwicklung erscheint das als zwangsläufig. Ökonomisch vollzieht sich dabei ein Desaster, für Musiker und Musikproduzenten, Veranstalter und Gastronomie und den Steuerzahler. Haushaltspolitisch entstehen dabei selbstverstärkende Abwärtstrends.
Kulturell geraten in der alltäglichen Medienpraxis das musikhistorische Wissen, kulturelle Bildung und Bildungsentwicklung unter die Räder: Komponisten, Musik und Künstler verschwinden hinter „Presse-Vierzeilern“, „Festival-Marken,“„Key-Word-Schlagzeilen“ und *PR-Textbausteinen.“ Sie gehen dabei auch in einer wachsenden Nachrichtenflut unter.
Feiertagskultur in Bayern — Ideologie-Feiertage in Berlin
Im Freistaat Bayern wird an Feiertagen tatsächlich und tatkräftig gefeiert und musiziert. Berlin leistet sich dagegen immer mehr unmusikalische „Beflaggungs-,Gedenk- und Kampagnentage“ und baut dabei die sozialen Planungskoordinationen der 12 Berliner Bezirke aus.
Zudem hat linke Kulturpolitik viel Schaden im Kulturhaushalt angerichtet:
- ´Das Förderprogramm „Draußenstadt“ hat Musiker und Künstler und Gastronomien entkoppelt.
- Atelier- und Raumprogrammförderungen aktivierten zweistellige Millionenbeträge für Vermieter und Investoren, die selbsttragfähige Akteure verdrängten.
- Die Chorförderung und der digitale Church-Desk der Kirchengemeinden haben über die Jahre die Kirchenmusik in Berlin „silofiziert.“
Wenn das Land Berlin nun vor der Alternative steht, rund 1.700 Musiklehrkräfte wegen der Konsequenzen des sogenannten Herrenberg-Urteils nicht mehr weiter zu finanzieren, so ist das fatal und konsequent. Es ist einer besonderen Staatsgläubigkeit und Staatsfixierung — sowie einer planlosen Digitalisierung der Medienlandschaft geschuldet, in der Pressestellen mit „Instant-Meldungen“ eine dominante Rolle spielen.
Journalismus kommt in Berlin bereits unter die Räder, der öffentlich-rechtliche Sender RBB hat über 245 Mitarbeitende in 2025 entlassen. Social Media und Streaming-Medien und Log-In-Effekte verändern die
Stadtgesellschaft.
Die offene Kulturstadt Berlin stirbt aus. Künste und Musik sind nicht mehr allgegenwärtig sichtbar, sondern müssen gesucht und gefunden — oder abonniert werden.
Geld für eine offene Kulturstadt Berlin ist noch genug da! — Es muss nur mehr in „Sichtbarkeit“ und offen zugreifbare Informationen investiert werden. Ab 3,89 € pro Einwohner/Jahr springt die offene Kulturstadt Berlin wieder an! — Denn es werden nur 2-4 Journalisten je 100.000 Einwohner benötigt, um die Offene Gesellschaft „inklusiv & allgemeinöffentlich“ in Gang zu halten. Offenheit muss nur orchestriert werden!
Offene Gesellschaft — inspirierend und einladend
Akademien, Bundesverbände, Stiftungen und ThinkTanks brauchen in Berlin nur die Redezeiten auf ihren Tagungen reduzieren, und mehr Musik ins Programm nehmen! — Plötzlich wären auch mehr Arbeitgeber da, die freie Honorartätigkeiten ermöglichen. Musiklehrerinnen und Musiklehrer könnten freier und sehr viel selbständiger agieren.
Aber es geht noch viel mehr! — Es nennt sich „Public Media & Public Markets“ — und sorgt neu für Respekt, interkulturelle Toleranz und Sichtbarkeit!
Die größten Stellschrauben zu mehr Offenheit und Musikkultur in Berlin haben die wirtschaftlichen Akteure der MICE-Wirtschaft: mehr Musikkultur und Kultur heben auch die Erlebnisqualität von Events und Ausstellungen und sind auch Zeichen von universeller Weltoffenheit und Empathie für Berliner Gäste.
Die beiden großen christlichen Kirchen verfügen über die größten Aufführungsorte für Musikkultur. Auch die können mehr tun, und mehr Ereignisse, Begegnungen und Musikkultur entfalten — und wieder mehr experimentieren. In kalten Winterzeiten kann Musik auch helfen, das gesellschaftliche Klima zu erwärmen und die christliche Kultur neu beleben.
Volkswirtschaftlich müssen im Jahr über 70 Millionen € zusätzlich in Berlin erwirtschaftet werden. Das ist Kleingeld der Vielen, angesichts von mehr als 440 €/Einwohner/Jahr für digitale-mediale Blindleistung!*
*) Geschätzt in 8/2025 für unsichtbare & unwirksame Werbeschaltungen, Mismatching, Overmatching, und Ad.Fraud sowie PR-Content ohne wirksame Sichtbarkeit bei Zielgruppen & ohne Konversion.
