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20. Mai 2018: UN-Weltbienentag soll Bienen schützen

Hosenbiene (Dasypoda hirtipes)

Der Schutz der Bienen rückt immer mehr in den Blickpunkt, seit das Insektensterben bekannt geworden ist. Vor allem Imkerverbände haben darauf hingearbeitet, einen Tag zum Schutz der Bienen weltweit auszurufen. In diesem Jahr gibt es nun am 20. Mai 2018 den ersten UN-World Bee Day.

Thomas Radetzki, Gründer der Berliner Aurelia-Stiftung setzt sich in einem Interview im Deutschlandfunk für den Schutz der Bienen ein:

„Die Bienen haben einen Stellenwert von 70 Milliarden Euro weltweit für die Ernährung, in Deutschland ungefähr zwei Milliarden Euro. Aber dabei geht es nur um die ökonomisch genutzten Früchte – Raps, Sonnenblumen, Gemüsesaatgut. Aber die unverzichtbare Stellung der Honigbienen und eben auch der solitär Lebenden müssen wir auch bei den Wildpflanzen sehen, das wird nicht kalkuliert ökonomisch, denn die sind die diejenigen, die unsere Landschaft ausmachen. Wir brauchen Bestäubung der Wildpflanzen, damit die Vögel, Reptilien, Kleinsäuger sich auch ernähren können. Ohne Blütenbestäubung gibt es keine gesunden Lebensräume – das ist unverzichtbar.“

Er sieht die Rolle der Bienen in einer Schlüsselrolle in der Ernährung der Menschheit. Bedroht werden sie von Insektiziden, die großflächig in der industriellen Landwirtschaft ausgebracht werden. Vor allem ein Verbot von drei Neonikotinoiden soll künftig zum Bienenschutz beitragen.

Während Imkerverbände eine starke wirtschaftliche Lobby bilden, und bei größeren Verlusten von Bienen und Bienenvölkern sofort Alarm schlagen, und etwa bei der Bekämpfung der Varroa-Milbe sofort Unterstützung organisieren, haben es die Wildbienen und Hummeln viel schwerer.

585 Wildbienenarten in Mitteleuropa heimisch

Innerhalb der Insektenordnung der Hautflügler gehören Wildbienen wie die Honigbiene zur Familie der Echten Bienen. Ihre Gefährdung ist kaum erkennbar, denn sie leben nur kurz und meist als Einzelgänger. Man nennt sie auch Solitärbienen. Nur Hummeln und einige Arten der Furchenbienen besitzen eine soziale Lebensweise, die aber nur kleine Völker von wenigen Dutzend bis hunderten Individuen umfasst. Der Lebenszyklus dauert bei vielen Wildbienen nur 4 bis 8 Wochen. Jedes Nest solitärer Wildbienen enthält nur ein Weibchen.

Damit sind Wildbienen sehr verletzlich, denn im Laufe ihres seines vier- bis achtwöchigen Lebens baut es ganz allein 4–30 Brutzellen und versorgt sie mit allem, was die Larve zum Gedeihen braucht. Stets wird eine Zelle fertiggestellt, bevor mit der nächsten begonnen wird.

Problematisch wird es, wenn immer weitere Strecken bis zur nächsten Blütentracht geflogen werden müssen, weil der Mensch die Wiesen mäht, oder wichtige Blühkräuter im Blühkalender ausfallen. Der Aufwuchs für das kommende Jahr wird damit kleiner und kleiner – bis ein Stamm ganz ausstirbt.

Es drohen aber noch andere Gefahren: Vögel als Fressfeinde brauchen nur ein Wildbienen-Weibchen fressen, und schon verhungert die Brut. Spinnen, Wespen und Hornissen zählen zu den Feinden der Wildbienen. Auch Feldmäuse können zur Bedrohung werden. Die größte Gefahr kommt aber von sommerlichen Starkregen, die tief liegende Wildbienen-Nester fluten.

Schutz der Wildbienen durch Naturschutzverbände

Der Schutz der Wildbienen (Erbienen und Sandbienen) hängt von mehreren Bedingungen ab, die in unserer vom Menschen überformten Landschaft immer weniger zu finden sind: Wildbienen mögen es gern warm und trocken. Die Wärme sorgt für Pflanzenwachstum und schnelles Blütenwachstum. Die Nahrungsgrundlage wird vor allem durch Pflanzen der Ackerbegleitflora gesichert, die unter menschlichen Einfluss selbst zu Raritäten werden. Düngung und Stickstoff aus Autoabgasen sorgen für das Verschwinden nährstoffarmer Standorte, die viele seltene Pflanzenarten für ihren Lebenszyklus benötigen.

Nur Ressourcenprojekte zur Förderung der Ackerbegleitflora helfen nachhaltig, um Landwirtschaft und Naturschutz in Synergien zu sichern. Dazu gehört der Getreideanbau, Pflügen, damit Samen aus dem Boden ans Licht kommen, Verzicht auf Düngung auf 10% der Fläche und mechanische Unkrautbekämpfung, anstelle von Herbiziden.
Während Imker vorwiegend auf Bienengesundheit in ihren Bienenstöcken und auf ausreichende Blütentracht achten, müssen Wildbienen vor allem geeignete Behausungen finden. Die Praxis von Naturschutzverbänden, sogenannte Insektenhotels zu bauen, ist kritisch zu sehen, denn nicht alle 585 Wildbienenarten mögen „gebohrte Röhren“, in die sie zwar hineinkommen, aber nicht mehr heraus.

Vor allem Erdbienen, Sandbienen und Hummeln benötigen geeignete Bodenflächen mit lockeren Boden, umgebrochene Schollen, Böschungen, Furchen und die Möglichkeit, selbst Brutlöchern zu graben.

Lebensweise der Hosenbiene

Die Weibchen der Hosenbiene legen ihre Nester im Sand oder lockerer Erde an. Zu finden sind Nester in kleinen bis großen Aggregationen, wenn es entsprechende Flächen gibt, etwa auf Baustellen, Äckern und an unverdichteten Wegrändern. Die Weibchen graben einen 20 bis 60 Zentimeter tiefen, anfangs schrägen, später senkrecht nach unten führenden Gang; eine unglaubliche Leistung für ein Insekt. Vom Gang aus werden auf mehreren Ebenen in verschiedene Richtungen runde Brutzellen angelegt. Pro Tag wird eine Zelle angefertigt und mit sechs bis zehn Sammelflügen in etwa vier Stunden mit Nektar und Pollen versorgt. Wird eine Zelle nicht am selben Tag fertiggestellt, wird sie aufgegeben. Hosenbiene sind beim Sammeln von Nektar und Pollen auf Korbblütler spezialisiert. Pollen wird trocken in 38 bis 43 Milligramm schweren, lockeren Haufen angehäuft und erst später mit dem Nektar vermengt und zu 230 bis 350 Milligramm schweren Ballen vermischt. An diesen Ballen werden unten drei Füßchen angebracht, die vermutlich der längeren Haltbarkeit dienen. Die Eiablage erfolgt oben auf dem Ballen, anschließend wird die Zelle mit Erde verschlossen. Pro Flug können durch die namensgebenden Haarbürsten auf den Hinterbeinen mehr als 40 Milligramm Pollen transportiert werden. Die Bienen überwintern als Ruhelarven, bevor sie im Frühjahr an die Oberfläche kommen.

Weitere Informationen:

Deutsche Wildtierstiftung : Wildbienenschutz in Hamburg

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