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Erntedankfeste 2023 selbst feiern!

Die erste selbst geerntete Erdbeere

Von Michael Springer

Für Kinder ist jede selbst geerntete Frucht ein kleines Wunder und ein kleines Fest! — Die erste selbst angebaute Erdbeere ist dabei wohl ein besonderes prägendes Ereignis!

Das Wunder aufkeimender Samen, heranwachsender Pflanzen und selbstgezüchtete Kräuter und Früchte, sollte jede Familie heute selbst mit ihren Kindern feiern. — Platz ist auf jeder Fensterbank, auf dem Balkon und der Terrasse — und auch in Vorgärten und Gärten. Und vor allem im Garten und Kleingarten der Großeltern.

Kleine Beete für Kinder, selbstgebaute Pflanzkästen und Hochbeete, Bauanleitungen gibt in Hülle und Fülle im Internet. Ab Mitte Februar kann man sich auf den Weg durch das Pflanzenjahr begeben, und erste Samenkörner aussähen.

Bis zum Herbst gibt es viele Gelegenheiten. Die gärtnerischen Erfahrungen unserer Vorfahren, von Landwirten und Gärtnern können heute durch Besuche auf dem Bauernhof, in Gärtnereien oder Biobetrieben selbst praktisch erschlossen und in die Praxis umgesetzt werden.
Auch zwischen Buchdeckeln der unzähligen Gartenbücher lauern viele wertvolle Tipps, die von jedem Kind neu entdeckt werden können.
Engagierte, naturinteressierte Familien können so mit ihren Kindern über das Jahr viele „Erntedank-Feste“ feiern!

Wann werden Erntedankfeste im Jahr 2023 gefeiert?

Das Datum für den Erntedank wird in Deutschland regional unterschiedlich gefeiert. In der Regel wird das Erntedankfest aber am ersten Sonntag im Oktober gefeiert. In diesem Jahr ist es der 2. Oktober 2023 nach dem katholischen Brauch. Nach evangelischem Brauch wird Erntedank am ersten Sonntag nach dem Michaelistag am 29. September gefeiert. Das Erntedankfest ist daher in den meisten Fällen am 1. Sonntag im Oktober. Es kann aber in der Zeit vom 30. September bis zum 6. Oktober liegen.

In diesem Jahr fällt das Datum für das Erntedankfest ebenfalls auf den 2. Oktober 2023.

Woher kommt der Brauch der Erntedankfeste?

Eine Feier zum Erntedank gibt es seit ca. 5000 Jahren. Es ist kein speziell christliches Fest. Alle Kulturen, Völker oder Religionen betrachteten die Ernte als wichtiges Ereignis und würdigen und feiern den Ernteerfolg. Kulturhistorisch belegt ist das Erntedankfest u.a. für die jüdische, ägyptische, griechische und römische Kultur. Die größte Ähnlichkeit zu unserem heutigen Fest besteht im jüdischen Brauchtum.

Besonders im ländlichen Raum spielen das Erntedankfest und die damit verbundenen Bräuche eine wichtige Rolle. Erste Belege für eine kirchliche Erntedankfeier stammen aus dem 8. Jahrhundert der Zeit Pippins des Jüngeren und seines Sohns, Karls des Großen. Auch aus dem 15. Jahrhundert gibt es Belege aus Klöstern über sogenannte Erntedankmessen am 23. September – dem Tag der Tag- und Nachtgleiche.

Wie der Bayerische Landesverein für Heimatpflege e.V. erklärt, gab es bei der Entstehung des Brauchs zwei Aspekte: einen weltlichen und einen religiösen. Früher sei die Ernte der landwirtschaftlichen Produkte für die Menschen noch viel wichtiger gewesen, als es heute gemeinhin der Fall ist. Deswegen hätten die Menschen schon immer ihren Göttern für die Ernte gedankt. „Die Existenz, das Leben der Leute, hing unmittelbar davon ab, ob die Ernte gut oder schlecht ausfiel. Sie war die Grundlage für das Überleben im Winter. Darum wurde gefeiert, wenn sie letztlich eingeholt war.“

Parallel hat sich im Mittelalter der weltliche Aspekt entwickelt. Jede Fläche gehörte einem Grundherren, so waren auch die darauf erwirtschafteten Erträge dessen Eigentum. Die Bauern mussten ihre Ernte beim Grundherren abliefern und waren quasi Leibeigene. Symbolisch übergaben sie damals einen aus Ähren gebundenen kleinen Kranz oder eine Erntekrone, als Zeichen für den Abschluss der Erntearbeiten – eine Tradition, die sich bis heute gehalten hat. Im Gegenzug hatten die Bauern Anspruch auf Entlohnung sowie ein Fest mit gutem Essen, Bier und Tanz — und den Schutz der Lehnsherren.

Erntedank – wie hat sich der Brauch im Laufe der Zeit verändert?

Mit der Industrialisierung und der Technisierung der Landwirtschaft seit dem 19. Jahrhundert verlor das Erntedankfest an Bedeutung – zumal die Bauern nun selbst Eigentümer der Flächen waren. In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Brauch stark aufgewertet, wie der Bayerische Verein für Landespflege weiter erklärt: „Das Erntedankfest wurde damals ideologisch umgedeutet. Es wurde zu einem nationalen Standesfest des Bauernvolkes gemacht, das mit Umzügen, Festreden und Ähnlichem begangen wurde.“ Der sogenannte „Tag der deutschen Bauern“ sei sogar ein gesetzlicher Feiertag gewesen.

In der Zeit des DDR-Sozialismus wurde das Erntedankfest im Osten Deutschlands fast völlig verdrängt. Man setzte auf die eigenen Kräfte und arbeitete nach der Losung „Auch ohne Gott und Sonnenschein bringen wir die Ernte ein.“ — Viele Fehlschläge bei der Kollektivierung der Landwirtschaft wurden beklagt. Die sozialistische Losung wurde daher vom Volksmund umgedeutet: „Ohne Sonnenschein und Gott, macht die LPG bankrott.“

Heute kann das Erntedankfest ohne Blick auf höhere Instanzen ganz auf eigene Weise gefeiert werden!
Allein der Blick zur Sonne, zur Jahreszeit und zu den natürlichen Klimabedingungen und zum Wetter ist heute notwendig, um erfolgreich säen und ernten zu können. In Innenräumen kann auch ein künstliches Lichtklima erzeugt werden, Wasser- und Nährstoffe können natürlich in der Pflanzerde gespeichert sein, oder werden flüssig dazu gedüngt. — Immer noch bleibt es ein Wunder der Natur und ein Ergebnis von Intelligenz und Fleiß in der Pflege und Bewässerung, wenn die erste Frucht reift!

Der Dank gilt heute der Natur, der Pflanze, den geglückten Umständen und den am gärtnerischen Erfolg beteiligten Menschen! — Und so wird die Erntedank-Feier ihren Sinn behalten und auch künftig gefeiert werden! Ob als kleine Feier im Familienkreis, etwas größer in der Gartengemeinschaft — oder im Quartier und in der Nachbarschaft.


Foto-Familien-Aktion zum Natur- und Gartenjahr:
„Die erste Erdbeere“, das erste Kinderbeet, die Erntedank-Feier oder das große Gartenfest — alles kann auch allgemein öffentlich angekündigt, gefeiert und berichtet werden! — Einfach Foto mit Bildunterschrift einsenden und an Verlosungen teilnehmen. Einkaufs-Gutscheine von Lidl, Buchpreise und Backsets für Kinder sind zu gewinnen.
Kontakt & Informationen: info@marzahn-hellersdorf-zeitung.de

m/s