Home > Aktuell > Ein paar Wörter über Flink

Ein paar Wörter über Flink

FLINK - Lieferdienst

Gastbeitrag: Marianna Malaspina

Die Ecke auf dem Bild war früher eine schöne Ecke, eine der wenigen alten und erhaltenen in diesem Berliner Kiez. Die von Bäumen gesäumte Straße hat Kopfsteinpflaster, die Gebäude auf beiden Seiten sind Gründerzeitbauten, eine Seltenheit.

Die Läden, die sich auf beiden Seiten der Straße aneinanderreihen, sind ruhig, selbst der Hamburgerladen hat es geschafft, sich zwischen der Boutique für italienische Spezialitäten, der hochwertigen Maßschneiderei und den Schaufenstern für handgefertigten Schmuck einzugliedern. — Im Sommer ist der Laden für gefrorenen Joghurt selbst dann kein Thema, wenn er voll mit Leuten ist, die auf dem Bürgersteig anstehen.

Bis vor einigen Monaten befanden sich im Erdgeschoss dieses Vorkriegsgebäudes Praxen für Gesundheitspflege und Physiotherapie, die Schaufenster waren elegant und harmonierten mit der Architektur des Ortes.

Dann, auf der Pandemiewelle reitend, kam ein Geschäft, das so wertvoll und wichtig ist, dass sein Hauptziel heute —- laut der verheerend lauten und unausweichlichen Werbung, die sie verbreiteten — darin besteht, die Einkaufsprobleme derjenigen zu lösen, denen um 3 Uhr morgens nach einer „erfüllten Nacht“ die Chips oder der Kaffee ausgegangen sind. Pandemie? Welche Pandemie?

Vor ein paar Monaten kamen die schrecklichen magentafarbenen Fenster – ja, alle acht, falls man beim Gehen blinzelte und die ersten sieben übersehen hat – auf die Straße.

Das war schon schlimm genug, denn in einem Viertel, in dem es immer mehr neonbeleuchtete Friseurläden und Friseure gibt und in dem die Schaufenster von Kasinos und anderen Geschäften überladen sind, braucht man sicher nicht noch mehr Farbe.

Sie haben sich die einzige gute Ecke an der Hauptverkehrsader ausgesucht und sie verschmutzt. Ich frage mich, wie sie die Genehmigung dafür bekommen haben, aber wie ich höre, handelt es sich dabei um „Einhörner“, und vielleicht dachten die armen Seelen in der Abteilung für Betriebswirtschaft, sie seien per Definition schön.

Die Verschmutzung ging mit der Zeit über das Sichtbare hinaus, immer öfter ist der Bürgersteig an der Ecke die Start- und Landebahn für die aus- und einfahrenden Fahrradfahrer, und jetzt hat der Laden offenbar beschlossen, dass der Bürgersteig vor den acht Fenstern, der schon seit Monaten von Dutzenden von grauenhaften Elektrofahrrädern und -rollern heimgesucht wird, besser als Parkplatz für seine Mülltonnen und sein Lagermaterial genutzt werden sollte.

Halten Sie jetzt einen Moment inne. Stellen Sie sich vor, jedes Geschäft würde das tun. Wenn sich jedes Restaurant, jeder Lebensmittelladen und jede Imbissbude so verhalten würde wie Flink, wäre die Gegend unbewohnbar. Wie seriös, nachhaltig und umweltfreundlich ist ein Unternehmen, das nicht bereit ist, diese wirklich grundlegende Regel zu beachten? Das ein Wohngebiet behandelt, als wäre es ein Parkplatz mit Lagerraum und Müllabfuhr?
Mein Punkt: Ich hoffe, sie schließen.

Ich würde es wirklich, wirklich gerne sehen, wenn sie verschwinden. Ihr Geschäftsmodell ist auf grauenhafte Weise unvereinbar mit jeder Nachbarschaft, in der sich die Menschen darum kümmern, wie sie leben. Ich kann die entsetzliche Ignoranz und Arroganz ihrer Führung nicht ertragen. Es tut mir Leid Hans, nach einer erfüllten Nacht musst du deinen glücklich erschöpften Körper aus dem Bett heben und deinen Kaffee kaufen gehen.

Ein mütterlicher Ratschlag: Kaufen Sie nächstes Mal mehr ein!

Aber wenn Flink mehr Finanzierung bekommen sollte (ach!) und hier bleiben will, müssen sie sich in Form bringen. Die Art und Weise, wie es sich verhält, ist untragbar.

Sie müssen die Umgebung, in der sie leben, respektieren und sich entsprechend verhalten. Die Menschen müssen nicht zusehen, wie ihre Nachbarschaft zerstört wird, oder riskieren, von einem eiligen Radfahrer überfahren zu werden, wenn dies absolut vermeidbar ist.

Diese Meinung wird offenbar von vielen geteilt, Flink und Gorilla wurden bereits abgemahnt und es vergeht kein Tag, an dem nicht Beschwerden bei den Gemeinden aller Bezirke Berlins und anderer deutscher Städte eingehen.

Hoffentlich ist die kritische Masse schnell erreicht und es werden entsprechende Schritte eingeleitet.

Müssen Sie in der Zwischenzeit wirklich bei ihnen bestellen? Müssen wir in einer Stadt, in der es alle 100 Meter einen Lebensmittelladen gibt, wirklich so behandelt werden, als wären wir krank oder alte Menschen im Rollstuhl, die innerhalb von 10 Minuten Windeln brauchen? — Hans, hörst du mir zu?

Ich weiß nicht was anderes zu tun als meine Meinung einer Zeitung zu mitteilen. Dem Ordnungsamt habe ich gestern auch geschrieben.

Bürgersteig als Logistikfläche umgewidmet - FLINK-Filiale in der Windscheidstraße Ecke Kantstraße- Foto: © Marianna Malaspina
Bürgersteig als Logistikfläche umgewidmet – FLINK-Filiale in der Windscheidstraße Ecke Kantstraße- Foto: © Marianna Malaspina

Einfach.SmartCity.Machen: Berlin! — Ärgernisse im Kiez? — Dreckecken? — Nachbarschafts-Konflikte? — Neueröffnungen und tolle Kiezgeschichten? — Hier schreiben Leserinnen und Leser selbst — und sogar auf der Titelseite!

Kontakt zur Redaktion: info@charlottenburg-wilmersdorf-zeitung.de