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Symbolische Baumpflanzung als Aufruf zur Straßenbaum-Wende

Symbolische Baumpflanz-Aktion

Der Straßenbaumbestand in Charlottenburg-Wilmersdorf schrumpft. Über 3.000 Bäume sind in den letzten zwei Jahren gefällt, bzw. abgesägt worden. Die abgesägten Bäumstümpfe sind überall im Straßenland sichtbar, auch gegenüber dem Rathaus Charlottenburg in der Otto-Suhr-Allee.

Am 12. September 2019 trafen sich Vertreter_innen der CDU- und FDP-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung von Charlottenburg-Wilmersdorf zu einer symbolischen Baumpflanzung. Die Genehmigung für eine reale Baumpflanzaktion war vom zuständigen Stadtrat Oliver Schruoffeneger (Bündnis 90/Die Grünen) versagt worden.

„Umweltschutz lebt nicht von abstrakten Ideen, sondern von realen Handlungen wie Baumpflanzungen“, sagte die Vorsitzende der CDU-Fraktion in Charlottenburg-Wilmersdorf, Susanne Klose.

Felix Recke, Fraktionsvorsitzender der FDP in der BVV, ergänzte: „Bäume sind die Grundlage eines nachhaltigen Stadtklimas – wer sie wie unser Bezirk vernachlässigt und Baumpflanzungen aktiv verhindert, befördert Klimanotstand statt ihn zu bekämpfen.“

Straßenbäume in Not: Klimastreß, Trockenjahre und mangelnde Pflege

Die Berliner Straßenbäume kommen in die Jahre, und sind Rekordhitze, Trockenheit und Windbruch ausgesetzt. Unwetter, wie der Sturm Xavier, haben in Berlin tausende Bäume vernichtet. Doch auch mangelnde Pflege sorgt für vorzeitigen Verfall und für Baumkrankheiten. Gutachterliche Bedenken wegen mangelnder Standfestigkeit, werden so zu einer Art General-Lizenz zum Bäume fällen. In der Folge ist der Grünflächenetat durch unplanmässige Ausgaben belastet. Hinzu kommt die bekannte Personalknappheit, die auch notwendige Neuanpflanzungen einschränkt.
Obendrein muss mit dem Klimawandel gerechnent werden. Der Baumbestand muß auf robustere Baumarten umgestellt werden. In besonderen exponierten Lagen muss sogar über zusätzliche Bewässerungsanlagen nachgedacht werden.

Susanne Klose war auch um das Stadtbild besorgt: „Wir sehen die vernachlässigten Grünanlagen und Straßenbäume, oft sind nur die Stümpfe der gefällten Bäume geblieben. In Charlottenburg- Wilmersdorf mussten in den letzten zwei Jahren ca. 3.000 Bäume gefällt werden. Davon waren 87,5 % schon durch mangelnde Pflege vorgeschädigt.“

Um Verkehrssicherheit zu gewährleisten, mussten Umwelt- und Naturschutzamt, sowie das Straßen- und Grünflächenamt viele Fällungen vornehmen. Schäden durch herabstürzendes Totholz belaufen sich allein in diesem Jahr schon auf rund 94.000,- Euro.

Symbolische Baumpflanzung als Aufruf zur Straßenbaum-Wende

Um den Verlust an Straßenbäumen auszugleichen, wurde die symbolische Baumpflanzung verabredet.

„Deshalb setzen wir ein Zeichen und pflanzen symbolisch einen Baum vor dem Rathaus“, erklärte Felix Recke. Er führte weiter aus: „Gerne hätten wir auch real einen Baum gepflanzt. Dies war jedoch weder von Seiten des bezirklichen Grünflächenamts noch von Seiten der Senatsverwaltung gewünscht.“
Seit Jahren wird mit fehlendem Personal und den nötigen Mitteln argumentiert. „Auch die jetzt veranschlagten Gelder für 2020/21 sind nicht auskömmlich. Statt nur von Klimaschutz zu reden, brauchen wir endlich eine Politik, die das Klima der Stadt wirklich verbessern möchte“, monierte die Umweltpolitische Sprecherin der FDP-Fraktion, Stephanie Fest.

Bei einer Zuweisung aus Landesmitteln pro Baum von bisher ca. 47,- Euro scheint außer dem Handlungsdefizit auch ein Erkenntnisdefizit vorzuliegen. Notwendig wären eigentlich 80,- Euro pro Baum und Jahr als Unterhaltungsmittel.

Beklagt wurde auch, das dem Spendenaufruf von Senat und Bezirk zu Baumspenden nicht genug Aufmerksamkeit gewidmet wird. Tatsächlich gibt es eine große Spendenbereitschaft bei Bürgerinnen und Bürger, doch ihre Angebote waren nicht willkommen. Offenbar fehlt für zusätzliche Pflanzungen das Personal.

Symbolische Baumpflanz-Aktion
Felix Recke (FDP-Fraktion) und Susanne Klose (CDU-Fraktion) am 12.9.2019 mit Birke- Foto: cwz

Grünetats in Berlin sind zu knapp bemessen

Die berlinweit hohen Zahlen von Baumfällungen weisen auf ein eklatantes Kostenproblem hin: es genügt nicht, Bäume abzusägen und zu fällen. Auch der Baumstumpf und die Baumstubben müssen entfernt werden, bevor neu gepflanzt wird. Vor einer Neupflanzung müssen zudem Baumscheibe und umgebende Pflasterung erneuert werden. Auch ein Bodenaustausch erhöht die Überlebenschancen neuer Straßenbäume. In den Haushaltsberatungen zum Doppelhaushalt 2020/2021 wurden daher oft nur Kosten für Neupflanzungen etatisiert.

So kann die Straßenbaum-Wende nicht gelingen – es werden nicht genug neue Bäume geplanzt.

Dies sorgt für Verdruß, denn Stadtgrün hilft, die Luft und das Mikroklima in jeder Straße zu verbessern. Die Neupflanzung von Bäumen hat daher eine hohe Dringlichkeit, um Stadtklima und unsere sprichwörtliche Berliner Luft verbessern zu können.

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