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Grünflächenamt spart bei Baumpflanzungen

Grtenarbeiter mit Freischneider

Berlin hat seit Mitte der achtziger Jahre im grünen Bereich gespart. Gärtner und Landschaftsgärtner wurden nach und nach entlassen, Stellen immer mehr abgebaut. Von einst 33.000 Mitarbeitern im grünen Bereich in Berlin West sind heute in ganz Berlin kaum noch 2.700 Mitarbeiter in der grünen Branche und den Grünflächenämtern tätig. Inzwischen sorgen Pensionierungen und fehlender Nachwuchs für Engpässe. Im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf hat man nun in einer Pressemitteilung vom 21. Juni 2018 eine „Verheerende Personalsituation im Grünflächenamt“ konstatiert und zieht Konsequenzen. Auch der hohe Arbeitsanfall im letzten Herbst und Winter, wegen der Beseitigung von Sturmschäden und umgestürzten Bäumen, sorgt nun für katastrophale Personalengpässe.

Angesichts der völlig unzureichenden Personalsituation und des seit Jahren aufgelaufenen Bearbeitungsstaus in der Baumpflege hat das Bezirksamt jetzt die Konsequenzen gezogen.

„Das Grünflächenamt Charlottenburg-Wilmersdorf wird sich bis Ende 2019 auf die notwendigen Arbeiten im Baumbestand konzentrieren. Bis dahin werden keine Neupflanzungen durchgeführt.“

Bezirksstadtrat Oliver Schruoffeneger sagte dazu:

„Im Bezirk gibt es gut 43.000 Straßenbäume. Davon sind Ende Mai 30.686 Bäume mit einem pflegerischen Handlungsbedarf dokumentiert. Den größten Anteil stellen dabei 17.750 Bäume mit festgestelltem Totholz, das dringend entfernt werden muss.
In weiteren 6.017 Fällen bestehen Verkehrsgefährdungen durch in den Straßenraum hineinragende Äste.

Rechnerisch benötigt das Grünflächenamt für die Pflege des Straßenbaumbestandes 5,75 Stellen, tatsächlich vorhanden sind zurzeit 2 Personen. Zwei weitere Stellen sind durch Erkrankung und Sabbatical langfristig blockiert. Die Aufstockung der Mittel für die Baumpflege durch das Land gibt uns jetzt die Möglichkeit des Abbaus des enormen Bearbeitungsstaus. Dies heißt aber, dass wir unsere Personalressourcen darauf konzentrieren müssen.

Neben der Aufgabenkonzentration haben wir beschlossen, dem Grünflächenamt die Möglichkeit zu geben, die jeweils notwendigen Baustelleneinrichtungen (für Baumarbeiten) selber anzuordnen, sodass die bisher notwendige Antragstellung und Bearbeitung de Absperrmaßnahmen bei der Straßenverkehrsbehörde entfällt. Auch dadurch werden Arbeitsgänge reduziert und Zeit gespart.

Die Maßnahmen werden Ende 2018 auf ihre Wirksamkeit hin überprüft.

Die Forderungen des BUND nach einer deutlichen personellen Aufstockung der Grünflächenämter sind vollkommen richtig.
Gerade in der wachsenden Stadt muss auch die Qualität der Grünflächenpflege deutlich stärker beachtet werden, als dies in den vergangenen 20 Jahren der Fall war.“

Langzeitauswirkungen der Sparpolitik und Novellierung des Straßenreinigungsgesetzes 1986

In der Rückschau war die Novellierung des Straßenreinigungsgesetzes 1986 ein großer Einschnitt für die öffentlichen Berliner Grünflächen und einst selbstständigen Grünflächenämter. Damals wurde die Bemessung der Straßenreinigungsentgelte nach der Grundstücksfläche festgelegt. Die Bezirke mussten danach selbst große Haushaltsmittel für die Straßenreinigungsentgelte aufbringen, die insbesondere bei Parks und großen Grünflächen zu Buche schlagen. Gespart wurde an Gärtnern und Regelaufgaben.

Nach über 30 Jahren sind die Folgen nun insbesondere in den Baumbeständen zu sehen: fehlende Baumpflege hat ganze Bäume in den Lietzensee abkippen lassen. In dichten Baumbeständen wurde die Bestandsverjüngung ausgesetzt, und der Rückschnitt von Bäumen vernachlässigt. Die zum Teil verheerenden Sturmschäden haben hier auch ihre Ursachen.

Auch der Beruf des Landschaftsgärtners hat sich gewandelt. Der hohe Mechanisierungsgrad mit Freischneidern, Motorsägen, Rasenmäh-Traktoren und Ladegeräten, sowie der massive Einsatz von Laubblasgeräten, haben aus dem einst beliebten handwerklich und naturgeprägten Beruf eine „Maschinenführer-Tätigkeit“ mit Hörschutz-Tragepflicht und gefährlicher Staub-Exposition gemacht.

Der motorgetriebene Laubblasgeräte-Sturm sorgt noch für ganz andere „Sturmschäden“: das Tragkorn der wassergebundenen Wegedecken wird mit weggeblasen und landet im Kehrricht und Kompost. In der Folge verlieren die Wege ihre Stabilität. Vielerorts liegen in Berlin inzwischen die Schotter-Tragschichten frei, und sorgen für Verdruß bei Spaziergängern und Radfahrenden.

Gärtnerische Tätigkeit und der Beruf stehen heute offenbar nicht mehr hoch im Kurs. – Wenn nun Gärtner nicht einmal mehr Bäume pflanzen können, ist es nicht nur um dem Beruf schlecht bestellt!